»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«

Fortbildung für Russischlehrkräfte in Berlin

Russisch spielt an der CvO eine wichtige Rolle im Angebot der Oberstufe. Unsere Kollegin Frau Wolf nahm Ende Februar an der Fortbildung teil. Hier der Bericht:

MemoРИАЛ der Zukunft
Exkursion des Hessischen Russischlehrerverbandes nach Berlin (27.02.–01.03.2026)

Was hat ein Loszettel mit den prunkvollen Neubauten der Karl-Marx-Allee – der einstigen Stalinallee in Ost-Berlin – zu tun? Und warum entschieden nicht nur Leistung und Parteitreue, sondern auch eine „Aufbaulotterie“ darüber, wer eine der begehrten Wohnungen erhielt? Die Geschichte der Allee liefert auf diese Fragen eine ebenso aufschlussreiche wie vielschichtige Antwort.

Im Rahmen einer Exkursion erkundete eine Delegation des Hessischen Russischlehrerverbandes (HRLV) vergangenes Wochenende die Karl-Marx-Allee, das ehemalige Prestigeprojekt der DDR. Die Führung machte die unterschiedlichen Baustile sichtbar, erklärte den sozialistischen Aufbauwillen der 1950er-Jahre und zeigte die Lebensbedingungen, hierarchischen Strukturen und die politische Symbolik, die das sozialistische Berlin prägten.

Besonders eindrucksvoll war die Begegnung mit Vertreterinnen und Vertretern der Bewegung „Zukunft Memorial“, insbesondere mit Irina Scherbakowa, russisch-jüdische Germanistin und Kulturwissenschaftlerin, Mitbegründerin der 2021 von Moskau verbotenen Menschenrechtsorganisation MEMORIAL und Friedensnobelpreisträgerin 2022, die nach der gewaltsamen Auflösung der Stiftung im Exil in Deutschland lebt.

Ihr Satz „Erinnern ist Widerstand“ – zugleich Untertitel des von ihr 2025 herausgegebenen Buches – verdeutlichte eindrücklich, wie zentral es ist, historische Verbrechen unverfälscht in Erinnerung zu halten, besonders dort, wo staatliche Narrative Geschichte umzudeuten oder zu verdrängen versuchen.

Für die Schule – und besonders für den Russischunterricht – ergeben sich daraus wertvolle Impulse. Originalquellen, literarische Texte, Biographiearbeit und landeskundliche Exkurse eröffnen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Geschichte kritisch zu reflektieren, Perspektiven zu vergleichen und Erinnerungskultur lebendig zu halten. So wird Russischunterricht zu einem Raum der Reflexion, historischen Verantwortung und interkulturellen Verständigung.

Die Exkursion hat gezeigt: Geschichte ist nicht abgeschlossen – sie wird erzählt, gedeutet und mitunter instrumentalisiert. Umso wichtiger ist es, junge Menschen zu befähigen, historische Narrative kritisch zu hinterfragen und so Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu übernehmen – ganz im Sinne von Irina Scherbakowa: Erinnern ist Widerstand – und Bildung sein Fundament.

Bericht und Fotos: Frau Wolf

Erstellt am 04. März 2026
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