»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«
Hilfe und Unterstützung für wohnungslose Menschen
Abiturienten auf den Spuren „helfenden Handelns“ zu Gast in der Wiesbadener „Teestube“
Jeder, der stadteinwärts mit dem Auto oder mit dem Bus in Richtung Innenstadt fährt, sieht auf der linken Seite, unmittelbar vor der Elly-Heuss-Schule, ein mehrstöckiges Gebäude mit gelber Fassade. In diesem Gebäude ist die Teestube, eine Tagesaufenthaltsstätte für Obdachlose, untergebracht, die Beratung und Hilfe für wohnungslose Menschen anbietet. Fast 90 % der Klienten seien Männer, lediglich 10 % seien Frauen, erklärt Christina Boldorf, die stellvertretende Leiterin der Einrichtung, den Schülerinnen und Schülern des Q4-Kurses Ev. Religion, die sich an diesem Vormittag (26.2.) gemeinsam mit ihrem Lehrer, Schulpfarrer Stephan Da Re, im 2. Stock des Gebäudes eingefunden haben.
Boldorf ist eine Kennerin ihres Fachs. Als Sozialarbeiterin kümmert sie sich gemeinsam mit ihrem Team aus ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern täglich um ca. 120 Menschen, die die Dienste der Teestube in Anspruch nehmen. Im vergangenen Jahr habe man rund 52.000 Kontakte gehabt. Fachberatung, Tagesaufenthalt, Straßensozialarbeit, ein hauswirtschaftliches Arbeitsprojekt und medizinische Versorgung gehören zum Programm der Einrichtung, deren Träger die Regionale Diakonie Hessen-Nassau ist. Darüber hinaus gibt es Angebote und Einrichtungen wie eine Migrationsberatung für Erwachsene, Hilfe für ausgegrenzte Personen in Wiesbaden, eine Krankenversicherungs-Clearingstelle sowie eine Fachstelle Zuwanderung aus Osteuropa.
Wie sehr wünsche sie sich, so Boldorf, dass Politik und politisches Handeln die Menschen am Rand der Gesellschaft und Menschen in Not stärker in den Blick nehme anstatt sie als „Faulenzer“ zu titulieren und zu stigmatisieren. Da Re ergänzt: „In der wichtigen und unverzichtbaren Arbeit der Teestube wird deutlich, was Handeln aus einer biblisch-christlichen Grundhaltung wirklich bedeutet: Menschen sehen, ihnen zuhören und ihnen auf der Grundlage tätiger Nächstenliebe helfen. Es bleibt zu hoffen, dass die Beschimpfung und Stigmatisierung von Menschen irgendwann ein Ende hat.“