»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«

„Vergessen ist die zweite Vernichtung“

Das mit dem Jahrgang Q1 gut gefüllte Foyer des Klarenthaler Oberstufengymnasiums nahm am 27.1. einer Veranstaltung teil, die dem „Auschwitz-Gedenktag“ gewidmet war. Schulleiter Niko Lamprecht zeigte mit eröffnenden Worten die Dimension des Tages auf, der sich auf die Befreiung von Auschwitz vor 81 Jahren bezieht und im Kern natürlich dem Thema Holocaust gewidmet ist, also dem millionenfachen Massenmord an der jüdischen Bevölkerung im NS-Machtbereich während des Zweiten Weltkriegs: „Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana). Es habe neben den Juden aber auch andere Opfergruppen gegeben – einem dieser Bereiche sei der heutige Beitrag gewidmet. Dr. Christoph Schneider als ausgewiesener Kenner zum Thema „NS-Euthanasie“ ging nachfolgend mit einem fundierten Vortrag auf die Vorgehensweise der NS-Behörden bei der Umsetzung der sogenannten „Aktion T4“ ein, welche von 1940 an bis zum Kriegsende umgesetzt wurde. Er berichtete von den verschiedenen Verfahrensschritten, an denen die Bürokratie, Ärzte, Krankenpfleger und auch Handwerker beteiligt waren. Diese Teilung der Verantwortlichkeiten habe dazu geführt, dass viele Beteiligte sich später als „nicht schuldig“ bezeichneten – sie sahen sich nicht als Mörder, selbst wenn sie der NS-Ideologie nicht zugetan waren. Die Endstation der geplanten „Aktion T4“ waren die Tötungsanstalten in Hadamar und an anderen Orten. Die „selektierten“ Menschen (meist mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen) wurden in Bussen zu den Tötungsorten gefahren – die Busse kamen immer leer zurück, was man durch verhängte oder bemalte Fenster aber nicht wahrnehmen konnte. Meist fanden die Tötungen sofort statt, in „Gaskammern“, deren Anwendung auch Vorbild für Auschwitz und andere Vernichtungsorte wurde. Auf den Totenscheinen aber stand meist ein anderes – späteres - Datum, damit die Verwandten nicht misstrauisch wurden – und die jeweilige Anstalt noch etwas Pflegegeld einstreichen konnte. Die Morde wurden somit vertuscht, was natürlich auch zu Misstrauen führte. Laut Referent sei aber immer noch nicht jede Familie in Deutshcland zu diesem Schicksal von ehemaligen Familienmitglieder im Bilde – dieses Vergessen sei eine Art „zweite Vernichtung“.

Nach dieser planmäßigen Tötungsaktion von 1940-1941 folgte nur offiziell (auch aufgrund von Protesten) ein Ende der Aktion, viele dezentrale Tötungen folgten, da man besonders in Großstädten bestrebt war, angesichts der sich verschlechternden Kriegslage „unnötige Esser“ zu beseitigen. – Christoph Schneider appellierte am Ende des Vortrags mit nachdenklichen Worten an die Zuhörerschaft, sich besonders für das Thema Menschenrechte zu engagieren – hier sei der Schlüssel für ein gutes Zusammenleben und wohl auch für die gelingende Demokratie.

Im Nachfolgegespräch gab es einige Schülerfragen, z.B. zum Begriff Euthanasie, dem Umgang mit behinderten Frauen oder auch der Gefährdungslage für Menschen, die damals nur kurzfristig erkrankten.

Aufgabenfeldleiter und Veranstaltungsleiter Nils Kohlhaas bedankte sich beim Referenten mit einem guten Rheingauer Tropfen und der „gelben CvO-Rose der Sympathie“. Die CvO selbst dankt der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung für die finanzielle Unterstützung des Termins.

Erstellt am 28. Januar 2026
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