»Man kann nicht kämpfen, wenn die Hose voller ist als das Herz.«
Die DDR war keine Demokratie, sie war auch kein Rechtsstaat. Für Birgit Schlicke war sie ein riesiges „Gefängnis“, da man nicht ausreisen durfte. „Republikflucht“ war lebensgefährlich! Ihre Eltern und sie hatten aber gerade dieses Ziel der Ausreise, wurden von der Stasi beobachtet - und „verpfiffen“. Birgit Schlicke geriet in Untersuchungshaft, als 17jähriges Mädchen, welches einen Brief des Vaters an eine Westadresse abgetippt hatte. Nach einem absurden „Prozess“ (und vielen Schikanen und Verhören mit Psychoterrormethoden) kam sie in das berüchtigte Frauengefängnis Hoheneck, zu über zwei Jahren Haft verurteilt. Besonders schlimm für sie: „Man hatte keine Privatsphäre, auch auf dem Klo nicht.“ Überall waren Wachpersonen oder Mithäftlinge dabei, ihre Zelle hatte eine Belegung von 12 Frauen.
Anschaulich berichtete die engagierte Referentin dem Jahrgang von den weiteren äußerst schwierigen Lebensumständen in Haft, der harten Arbeit, den berüchtigten Methoden des Wachpersonals, der Isolation bei geringsten Vergehen und ihrem Weg in die Freiheit nach dem Mauerfall am 9.11.1989. (Auch dies dauerte, da die Bürokratie der DDR die politischen Häftlinge nicht gleich freigab.)
Zuletzt – nach Beantwortung einiger Fragen – richtete Birgit Schlicke die Bitte an den Jahrgang, sich für Demokratie einzusetzen. „40 Jahre DDR haben gezeigt, wie schlimm ein Leben ohne Freiheit und Selbstbestimmung ist.“ Dem hatten sich in kurzen Vorworten bereits Aufgabenfeldleiter Nils Kohlhaas und Schulleiter Niko Lamprecht gewidmet, die aus verschiedenen Perspektiven den Wert der Demokratie beleuchteten. Niko Lamprecht: „12 Jahre NS-Diktatur und 40 Jahre DDR sind wahrlich genug – diesen Weg oder auch nur die Anbahnung davon darf Deutschland nie wieder beschreiten!“
Zuletzt erhielt Frau Schlicke kleine Präsente aus der Hand der Schulleitung.
Neben der Teilnahme am Michelsberg-Gedenken (vgl. 9.11.1938) hat die CvO somit auch den Aspekt des 9.11.1989 inhaltlich begleitet – neben der normalen Behandlung im Unterricht.
Großes Dankeschön an die Tontechnik-AG, unseren Hausmeister Hr. Tkalec - und Hr. Kohlhaas für die Organisation der Veranstaltung. Foto: Gölz